6. Rundgang - Chomutover Friedhöfe

Der Besuch eines Friedhofs kann für aufgeschlossenen Besucher ein aussagekräftigeres Zeugnis von den gegenwärtigen Bürgern ablegen, als von den Generationen der Menschen, die hier ihre letzte Ruhestätte fanden. Viel zu erzählen haben auch die chomutover Friedhöfe - Hauptfriedhof, Friedhof in Horní Ves (dt. Oberdorf) und Jüdischer Friedhof.

Der Besuch eines Friedhofs kann für aufgeschlossenen Besucher ein aussagekräftigeres Zeugnis von den gegenwärtigen Bürgern ablegen, als von den Generationen der Menschen, die hier ihre letzte Ruhestätte fanden. Viel zu erzählen haben auch die chomutover Friedhöfe - Hauptfriedhof, Friedhof in Horní Ves (dt. Oberdorf) und Jüdischer Friedhof.

1 Historischer Stadtfriedhof

Die erste städtische Bestattungsstelle dehnte sich bei der Stadtkirche Mariä Himmelfahrt im Inneren der Stadtmauern aus. Am Anfang des 16. Jahrhunderts entstand in der östlichen Vorstadt von Chomutov (dt. Komotau) ein neuer Friedhof mit der Friedhofskapelle St. Wolfgang und im Laufe der Zeit wurde dieser Ortsteil Friedhofsvorstadt genannt. 1859 beschloss der Stadtrat auch diesen, nicht mehr ausreichenden, Friedhof zu verlassen und aufzuheben und an der Spořickástr. einen neuen, großzügig ausgelegten, zu errichten. Auf den neuen Friedhof wurde die Mehrheit der ursprünglichen Grabsteine von dem Friedhof zu St. Wolfgang versetzt. 1884 bis 1890 wurde er mehrmals umgestaltet und nach den Bedürfnissen der Stadt erweitert. 1906 bekam er eine neue Abdankungshalle und das Leichenhaus erfuhr eine Sanierung. 1915 wurde hier auch eine Grabstätte für die im chomutover Militärkrankenhaus gestorbenen Soldaten errichtet. Diese Ruhestätte fiel 1945–1946 den deutschfeindlichen Gemütsverfassungen der neuen tschechischen Bevölkerung zum Opfer. Paradoxerweise waren hier zum großen Teil aber tschechische Soldaten bestattet. Auf dem Stadtfriedhof in Chomutov wurden nach dem Vorbild von großen Zentralfriedhöfen in Prag und Wien pompöse Familiengrüfte und -grabsteine gebaut. Zu den schönsten neugotischen und neuklassizistischen gehören die Gruft der Familie Mark, sowie das prachtvolle Grabstein des berühmten Archäologen, Historikers und Philologen Anton Gnirs. Dieses Grabmal aus der Werkstatt des Bildhauers Willi Russ aus Krásno (dt. Schönfeld) wurde vor einigen Jahren erneuert. 1932 wurden aus Mladějov (dt. Blosdorf) die sterblichen Überreste des berühmtesten chomutover Landsmanns Franz Josef von Gerstner hergebracht und in ein neues repräsentatives Grab auf dem Stadtfriedhof gelegt. Nach dem II. Weltkrieg und der Abschiebung der deutschen Bevölkerung begann der Friedhof weitgehend zu verfallen und heutzutage befinden sich viele Familiengrüfte im trostlosen Zustand. Im 20. Jahrhundert wurde der Friedhof weiter erweitert und in den 70ern Jahren bekam er noch einen Urnenfriedhof und einen neuen östlichen Teil. Auf dem Friedhof ruhen heute auch sterbliche Überreste der sowjetischen Soldaten aus den umliegenden aufgehobenen Friedhöfen. 2008 wurde hier eine Gedenktafel für die ehemaligen deutschen Bürger der Stadt Chomutov eingeweiht.

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2 Friedhof in Horní Ves (dt. Oberdorf)

Errichtet 1873 als Ersatz für den ursprünglichen Friedhof bei der Barbarakirche an der alten Landstraße nach Leipzig (gegenw. Lipskástraße). Plastik Kreuzabnahme aus dem Jahr 1725 vom Weinberg in der Mosteckástraße. Massengräber, einige angesehene Persönlichkeiten.

3 Jüdischer Friedhof in Chomutov (dt. Komotau)

1892 wurde nicht ganze 500 Meter von dem neuen Stadtfriedhof auch der Jüdische Friedhof mit einer Abdankungshalle errichtet. Die ursprüngliche Bestattungsstelle für die Angehörigen der jüdischen Religion gab es in der Gemeinde Údlice (dt. Eidlitz), die gleich über zwei Friedhöfe verfügte, den Alten und den Neuen. Bis 1848 galt für die Juden in Chomutov (dt. Komotau) ein Aufenthaltsverbot und erst Ende des 19. Jahrhunderts war die Jüdische Gemeinde in der Stadt ausreichend groß, um hier einen eigenen Friedhof zu errichten. Der diente bis zu seiner Verheerung durch die Nazis im Jahr 1938. Nach dem Krieg wurde er nur selten genutzt und zu seiner vollständigen Verwüstung kam es 1987, wo im Rahmen eines „Subbotniks“ die Grabsteine ausgerissen und die Abdankungshalle mit dem Leichenhaus abgebrochen wurden. Die ursprünglichen Grabmähler verschwanden mit der Zeit, sie wurden wahrscheinlich zum Schotter zerkleinert oder zu neuen Grabsteinen umgemeißelt. 2008 wurde an der Stelle des damaligen Jüdischen Friedhofs unter der Teilnahme des israelischen Botschafters in Tschechien ein Denkmal zur Erinnerung an die jüdischen Mitbürger der Stadt Chomutov enthüllt.

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PANORAMA

4 Standort der niedergebrannten Synagoge

Zu der neuzeitigen jüdischen Besiedlung in Chomutov (dt. Komotau) kam es erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Erste Juden kamen zerstreut in die Stadt schon nach dem Jahr 1849, aber 1864 gibt es hier schon zwei jüdische Bethäuser. Bis 1900 steigt die Zahl der jüdischen Einwohner hauptsächlich zum Nachteil der alten jüdischen Besiedlung in der Gemeinde Údlice (dt. Eidlitz) an. 1872 entsteht in Chomutov die Jüdische Gemeinde und der folgt gleich das Rabbinat aus Údlice. 1876 wurde an der Ecke der heutigen Mosteckástr. und Karla Buriana-Straße eine neuromanische Synagoge gebaut und am 14. September 1876 mit der Einsetzung der Thora-Rollen durch den Rabbi Maybaum feierlich eingeweiht. Schon 1898 wurde die Synagoge instandgesetzt und auch neu mit einer Orgel ausgestattet. Der Antritt der Nazis und die Integration von Chomutov in das Dritte Reich bedeuteten praktisch den Niedergang der örtlichen Jüdischen Gemeinde. Schon am 9. November 1938 fiel die Synagoge der Reichskristallnacht zum Opfer. Sie wurde niedergebrannt und folgend abgerissen. An ihrer Stelle ist später ein neues Wohnhaus entstanden.

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5 Jüdischer Friedhof in Údlice (dt. Eidlitz)

Die Gemeinde Údlice (dt. Eidlitz) gehörte zu den Hauptzentren der jüdischen Besiedlung in der chomutover Region. Der Hauptgrund war das Aufenthaltsverbot für die Juden in Chomutov (dt. Komotau), das bis auf kleinere Ausnahmen von der Übernahme der Stadt durch den Deutschritterorden im Jahr 1251 bis zum Jahr 1848 dauerte. Schon Ende des 15. Jahrhunderts gab es in Údlice ein jüdisches Bethaus mit einer Bekenntnisschule, an der auch der bedeutsame chomutover Humanist und Mitarbeiter von Martin Luther Mathias Aurogallus Hebräisch studierte. Das Ghetto in Údlice befand sich im nördlichen Teil am Stadtgraben, an dessen anderem Ufer auch der Jüdische Friedhof lag. Der Ursprung dieses Alten Jüdischen Friedhofs reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück, die ältesten Grabmäler stammen aber erst aus dem 17. und 18. Jahrhundert. 1864 wurde in Údlice unweit von der Straße Richtung Jirkov (dt. Görkau) ein zweiter, sog. Neuer Jüdischer Friedhof errichtet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann die allmähliche Umsiedlung der hiesigen Juden nach Chomutov, wohin Ende des 19. Jahrhunderts auch das Rabbinat umzog. Im II. Weltkrieg wurden beide Jüdischen Friedhöfe verwüstet, die Zerstörung ging aber auch nach 1945 weiter. Damals wurden der Friedhof in Grundstücke parzelliert und ein großer Teil der Grabsteine als Baumaterial genutzt. Erhalten geblieben sind nur ein Teil der Einfriedungsmauer und das ehemalige gegenwärtig als Scheune genutzte Leichenhaus. Auf dem neuen Friedhof wurde Anfang der 60er Jahre eine Gedenkstätte zu Ehren der vielen Opfer des Todesmarsches im Jahr 1945 aufgebaut. Die Gedenkstätte sowie der eigene Friedhof sind gegenwärtig im trostlosen Zustand..

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