5. Rundgang - Region Chomutov

Die Region Chomutov (dt. Komotau) bietet den Besuchern so viele Sehenswürdigkeiten, dass sie in einem Urlaub nicht zu schaffen sind. Naturmerkwürdigkeiten, Kirchen sowie kleine Kapellen, Schlösser, Burgen, Technik, Volksarchitektur - genug Gründe für wiederholte Besuche.

Die Region Chomutov (dt. Komotau) bietet den Besuchern so viele Sehenswürdigkeiten, dass sie in einem Urlaub nicht zu schaffen sind. Naturmerkwürdigkeiten, Kirchen sowie kleine Kapellen, Schlösser, Burgen, Technik, Volksarchitektur - genug Gründe für wiederholte Besuche.

1 Jirkov (dt. Görkau)

Eine herausragende Dominante des historischen Kerns von Jirkov (dt. Görkau) ist die einschiffige seit 1538 an der Stelle einer älteren kleinen Kirche stehende Dekanalkirche St. Ägidius. Unter der Kirche ruhen zahlreiche namhafte Persönlichkeiten der Herrschaft. 1958 wurde die Kirche zum Kulturdenkmal erklärt. Der an die Kirche angebaute Stadtturm stammt aus den Jahren 1540–1545. Der damalige Verteidigungs- und Überwachungsbau dient jetzt Ausstellung- und Aussichtszwecken. Im Turm befindet sich eine Büste des Bildhauers Johann Brokoff (tsch. Jan Brokof), der in Jirkov und im Schloss Červený hrádek (dt. Rothenhaus) mehrere Werke hinterließ. Seine Säule mit der „Sieben Schmerzen Mariens“ darstellenden Statue v. 1695 wurde 1966 vom Hauptplatz zu der westlichen Seite der Kirche versetzt.

In der Kostelnístraße steht an der Stelle einer ehemaligen Schule ein eindrucksvoll geputztes Haus Nr. 72 von Heinrich Günzel aus den Jahren 1909–10, in dem sich jetzt die Tschechische Sparkasse Česká spořitelna befindet. Das Haus östlich von der Sparkasse war früher ein prächtiges Jugendstilhotel „Ross“ oder „Zum weißen Roß“. Das einst niedrige Gebäude mit gleichnamigem Gasthaus geht in seinem Ursprung nachweisbar bis in die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück. Die gegenwärtige Gestalt bekam es in den Jahren 1919–1920..

Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde im Jugendstil das Haus Nummer 39 an der Ecke der Kostelnístraße (dt. Kirchstraße) und der gegenwärtigen Alešova-Straße umgebaut. Das nördliche Ende der Kostelnístraße schloss einst eine kleine hochgewölbte Steinbrücke über den Fluss Bílina (dt. Biela) ab. 1885 wurde sie durch eine neue, flache und breitete auf Eisenbalken stehende Brücke ersetzt. Bei der Brücke steht eine St. Nepomuk Statue aus dem Jahr 1708, die Johann Brokoff zugeschrieben wird. Dem Heiligen wurde sie zum Dank für den Schutz des Hauses vor dem Brand des Stadtviertels am Fluss gewidmet.

Der viereckige Dr. E. Beneš-Platz ist kurz nach 1540 entstanden. Die damaligen Besitzer von Jirkov beschlossen, auf dem linken Ufer des Flusses Bílina eine „neue Stadt“ zu bauen. In der Mitte der neuen Siedlung entstand so ein mit etwas unregelmäßiger orthogonaler Straßenstruktur umgebener Marktplatz. Die Gestaltung der Straßen prägten die Räume, die nach dem im Jahr 1554 unweit von der Stadt eröffneten Alaunschieferbergbau für den Bau zur Verfügung standen. Kurz nach dem Aufschluss von weiteren Gruben in der Nähe der neuen Siedlung wurden auf dem linken Ufer des Flusses Bílina noch zwei weitere Stadtteile aufgebaut – Bergmannskolonien Obere und Untere Zeche. In zwei bis drei Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts (1540 – 1570) bekam Jirkov so die Größe und Gestalt, die es noch Ende des 19. Jahrhunderts hatte. Der gegenwärtige Platz hat sein Erscheinungsbild seit den Jahren 1979–1982, wo alle Häuser an der südlichen und östlichen Seite abgerissen wurden.

Den Marktplatz beherrscht das Rathaus. Das ursprüngliche Gebäude gab es hier schon vor dem Jahr 1581. Damals kauften es die Bürger ab und ließen es dem Sitz der Ratsherren anpassen. Seine klassizistische Gestalt hat es seit 1840. Während der letzten Rekonstruktion in den Jahren 1997–1998 ist es den Planern gelungen, eine Beeinträchtigung der gotischen Gewölbe im Erdgeschoss und der sonstigen Stilelemente zu verhindern. Das Haus Nummer 2 bekam sein Erscheinungsbild in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts, das Posthaus mit der Nummer 3 wurde schlicht im Stile des legendären Pellerhauses in Nürnberg 1890 umgebaut und die Fundamente der Häuser Nr. 4 und 5 in der Rooseveltova-Straße wurden nach dem Abriss der alten Objekte 1891 gelegt. Die umgebaute Apotheke „Zum goldenen Hirsch“ (tsch. U zlatého jelena) geht in ihrem Ursprung auf das Jahr 1798 zurück und ihr heutiges Aussehen bekam sie 1883.

Auf dem Marktplatz steht ein Brunnen aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Im Rahmen der Marktplatzinstandsetzung im Jahre 2011 erfuhr er eine Erneuerung. Auf seiner Spitze befand sich ursprünglich eine Herkules-Statue, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Garten der Villa eines Fabrikanten in Chomutov versetzt wurde.

In der auf den Dr. E. Beneše-Marktplatz mündenden Příčnístraße befindet sich das Haus Nr. 19 mit erhaltenem Renaissanceportal v. 1617. In der Tyršova-Straße sind nördlich von der Feuerwache nur Häuser im östlichen Teil der Straße mit dem Kino von 1930 und dem gegenüberliegenden ursprünglich Empiregasthaus vom Ende des 18. Jahrhunderts, gegenwärtige Gaststätte Na Růžku (dt. An der Ecke), stehen geblieben.

Unter dem Marktplatz dehnen sich unzugängliche Gänge und Keller aus, die früher an die Kellerräume unter dem Brauereihügel anschlossen. Der Bau des Langen, auch Sandkeller genannten, Kellers begann nach einem großen Stadtbrand 1555 unter einem Hügel im westlichen Teil der damals noch befestigten Stadt. Die Keller sind im Sandstein ausgehoben und teilweise ausgemauert. Ihre erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1596, wo das Werk aber schon vollendet war. Das Verdienst wird dem Bürgermeisters von Jirkov Štěpán Enderle zugeschrieben. Aus urkundlichen Aufzeichnungen geht hervor, dass die Keller bis zu 150 Nischen und Kammern haben und zum Schutz von Dokumenten, Waren und Lebensmitteln vor Naturkatastrophen und wahrscheinlich von Anfang an auch der Bierbrauerei dienen sollten.

Bis 2006 waren die Gänge der Sandsteinkeller ungefähr 1 260 Meter lang. Ein Teil von ihnen wurde aber durch den Bau des Einkaufszentrums Tesco irreversibel zerstört. Die gegenwärtige Länge beträgt 850 Meter. Seit Mai 2007 sind die sanierten Keller wieder für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Im Tal Telšské údolí (dt. Töltschtal) bei Jirkov wurde am Zusammenlauf des Flusses Bílina (dt. Biela) und der Bäche Malá voda / Květnovský potok (dt. Kleines Bächel / Tränkebachel) 1960–1965 durch das Bauunternehmen Vodní stavby nach Plänen von Hydroprojekt Praha die Trinkwassertalsperre Jirkov gebaut. Die Stauanlage dient der Trinkwasserversorgung des Nordböhmischen Braunkohlebeckens, der Mindestdurchflusshaltung im Fluss Bílina, mit der mechanischen Energie am Abfluss einer Kleinwasserkraftanlage und dem Hochwasserschutz. Die Dammkrone liegt 454,80 m ü. M. und die Höhe des Absperrbauwerks erreicht 50,8 m. Die Staumauer bildet ein geschütteter Steindamm aus lokalen Materialien, mit schräger Tonbodenkerndichtung und sie ist eine der längsten in Europa. Die Stauanlage und ihre Umgebung befinden sich in einem Trinkwasserschutzgebiet und deshalb war der Damm lange nicht frei zugänglich.

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2 Schloss Červený hrádek (dt. Rothenhaus)

Das Schloss Červený hrádek (dt. Rothenhaus) ließ 1655 bis 1675 Johann Adam Hrzan von Harasov oder auch Herzan von Harras (tsch. Jan Adam Hrzán z Harasova) auf Ruinen einer in ihrem Ursprung auf das 15. Jahrhundert zurückgehenden Burg bauen. Die Pläne erarbeitete wahrscheinlich Antonio della Porta und den Bau setzte vermutlich Santino Rossi um. Während der Herrschaft von Sigmund Wilhelm Hrzan von Harasov (tsch. Zikmund Valentin Hrzán z Harasova) bekam das Schloss 1697 eine prächtige doppelläufige aus dem ersten Gartenparterre führende Freitreppe. Die Skulpturen im Vorhof und die Vasen entlang der Treppe stammen aus der Werkstatt des Bildhauers Johann Brokoff. Zur gleichen Zeit erfolgte auch die barocke Gestaltung des Gartens an der südlichen und östlichen Seite. 1707 kaufte die Herrschaft Joachim Andreas von Lichtenstein (tsch. Jáchym Ondřej z Lichtensteinu). 1720 erbte sie seine Tochter Dominika, verheiratete von Auersperg und hinterließ sie dann ihrem Sohn Johann Adam von Auersperg (tsch. Jan Adam z Auerspergu). Der legte den ursprünglichen Schlosspark an, der heutzutage für die in Böhmen erste und vorbildliche Parkanlage gehalten wird. Johann Adam von Auersperg veräußerte 1771 die Herrschaft an Johann Alexander von Rottenhan (tsch. Jan Alexandr z Rottenhanu). 1777 erbte sie Heinrich Franz Graf von Rottenhan (tsch. Jindřich z Rottenhanu), der die prächtige und großzügige landschaftliche Gestaltung der Parkanlage fortsetzte. Zu der letzten größerer Wiederinstandsetzung des Schlosses kam es vor 1800, wo von seiner Stirnseite der Barockturm abgetragen wurde und der Bau sein heutiges Aussehen bekam. Während der Herrschaft von Heinrich von Rottenhan wandelte auch die Ansiedlung unter dem Schloss zu der Gemeinde Červený Hrádek um, in der er eine Reihe von Wirtschaftshäusern und Manufakturen erbauen ließ. Im englischen Park und Wildgehege wurden schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts exotische Holzarten ausgepflanzt und ein Cultivar der Gemeinen Fichte Picea abies „Rothenhausii“ gezüchtet. Nach dem Tod von Heinrich von Rottenhan 1809 erbte die Herrschaft seine Tochter Gabrielle, die mit dem Grafen Georg von Buquoy vermählt war. Während ihrer Zeit 1809–1863 wurden die Parkanlage weiter aufgebaut und auch auf das ganze Gemeindegebiet ausgedehnt, der Teich unter dem Schloss erweitert und in ihm zwei mit zierlichen Brücken verbundene Inseln gebaut, in der nahen Umgebung Treibhäuser, eine neue Orangerie und weitere Parkelemente angelegt. 1863 übernahm die Grundherrschaft die Tochter Isabelle, Gräfin Trautmannsdorf-Weinsberg und nach ihrem Tod 1893 erbte sie ihre Tochter Gabrielle, die mit dem Prinzen Ludwig Hohenlohe-Langenburg vermählt war. Danach wurde die Herrschaft Červený Hrádek in der männlichen Linie dieser Adelsfamilie vererbt. Im August 1938 fanden im Schloss zwei Begegnungen zwischen Lord Walter Runciman und Konrad Henlein statt. 1945 wurden die ursprünglichen deutschen Bewohner vertrieben, das ganze Vermögen der Familie Hohenlohe-Langenburg auf der Basis der Beneš-Dekrete konfisziert und das Schloss ging allmählich unter. Die Wälder und ein Teil der Parkanlage fielen dem Tschechischen Staatsforst zu. Kurz nach der Verstaatlichung (1945–1948) war das Schloss für die Öffentlichkeit zugänglich. In den folgenden Jahren diente es als Militärinvalidenheim (1946–1948), Heim für griechische Kinder (1948–1950), Bergbauberufschule und -internat (1950–1962) und Berufschule, Herberge und Schulungszentrum der Chemiewerke in Záluží bei Most (1962–1966). 1967 übernahm das Schloss das Krankenhaus Chomutov und betrieb hier ein Sanatorium, eine Heilanstalt für chronisch Kranke und ein Rehabilitationszentrum. 1969 bis 1993 gab es im Schloss eine kleine Ausstellung des chomutover Museums. Das Krankenhaus verließ das Schloss 1992, und im gleichen Jahr beantragte die Stadt Jirkov seine Übertragung in ihr Vermögen. Dazu kam es dann 1996. Die Stadt sanierte das Schloss und errichtete hier 2006 ein Bildungs- und Tourismuszentrum. Heute ist ein Teil des Schlosses für die Öffentlichkeit zugänglich und es werden geführte Besichtigungen durchgeführt. In der Schlossumgebung, im ursprünglichen Park, blieben ein klassizistischer Tempel von 1790, Gabriellas Mühle, die nach 1790 im schweizerisch-holländischen Stil umgebaut, in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts umgestaltet wurde und jetzt als Gaststädte dient, das ungefähr 1800 erbaute und gegenwärtig bewohnte Cottage (Landhaus) im englischen Stil, das nach 1790 umgebaute und jetzt privat genutzte Wirtschaftshaus, die nach 1790 umgebaute und jetzt zu Wohnzwecken genutzte Geflügelfarm, die neugotische Begräbniskapelle v. 1867 für den ein Jahr zuvor in der Schlacht bei Hradec Králové (dt. Königgrätz) gefallenen Ludwig Hohenlohe-Langenburg, die dem Johann Brokoff zugeschriebene Mariensäule v. 1695 bei der Gruft, die grundlegend umgebaute Orangerie am Schloss, ein Wasserspeier im Becken, im Gehege ein Widder v. Ende des 19. Jahrhunderts mit einer Skulptur der Familie Hohenlohe und in der Umgebung und im Hof des Schlosses eine Reihe von Statuen und Skulpturen erhalten. Die sonstigen Parkgestaltungselemente inkl. der englischen Häuser bei dem Eingang wurden vernichtet.

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3 Bergzentrum Lesná (dt. Ladung)

Siedlung Lesná

Der erste schriftliche Nachweis der Siedlung Lesná (dt. Ladung) stammt aus dem Jahr 1564, wo sie in der Handfeste (tsch. Ableitung hamfešt) über die Gründung der Gemeinde Nová Ves v Horách (dt. Gebirgsneudorf) erwähnt wird. Lesná gehörte zu der Herrschaft Jezeří (dt. Eisenberg), im Gegensatz zu anderen Gebirgsgemeinden Malý Háj (dt. Kleinhan) und Rudolice v Horách (dt. Rudelsdorf), die Bestandteil der Herrschaft Červený Hrádek (dt. Rothenhaus) waren. Ursprünglich hieß sie, wahrscheinlich nach ihrer Bebauungsstruktur, Langendorf (tsch. Dlouhá Ves), später Saltz-Ladung und seit Ende des 18. Jahrhunderts nur Ladung. Die tschechische Ableitung „Ládunk“ hielt sich noch in der ersten Republik; der Name Lesná ist schon neuzeitig und geht in seinem Ursprung auf die Lage der Siedlung im Wald (tsch. les) zurück. Vor dem II. Weltkrieg war Lesná ein wichtiges Zentrum der tschechischen Tourismusbranche. Nach dem Krieg entvölkerte sie sich und viele Häuser waren öd und leer. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts errichteten hier einige Industriewerke aus der Region Most ihre Erholungseinrichtungen, die restlichen erhaltenen Objekte sind jetzt private Wochenendhäuser..

Berghotel Lesná

Das ursprüngliche Gasthaus baute im 19. Jahrhundert Karl Kroh und seine Familie besaß es bis zur Enteignung nach dem II. Weltkrieg. Glücklicherweise wurde es nicht abgerissen, wie viele weitere zu dieser Zeit, weil es die Elektrizitätswerke Severočeské elektrárny, Betrieb Komořany übernahmen. Danach gehörte das Gebäude dem Chemiewerk Litvínov, das es als Bildungszentrum für seine Mitarbeiter nutzte. In den 80er Jahren kaufte es Landwirtschaftliche Genossenschaft Řevničov, die es erst als eigenes Schulungszentrum nutzte, später aber auch der Öffentlichkeit zugänglich machte. 2000 wurde es zum Berghotel umgebaut. Das Erholungs- und Bildungszentrum Lesná, gemeinnützige Einrichtung, entstand im März 2008. Die Gesellschaft bietet auf die Umwelt und regionale Entwicklung ausgerichtete Bildungs- und Erziehungsmaßnahmen, Unterrichts- und Forschungsprogramme für alle Schulstufen, Seminare, Ökoberatungen und Aufklärungsmaßnahmen, Förderung grenzüberschreitender Zusammenarbeit und einschlägige Werbung für das Interessengebiet und die ganze Region, öffentliche Gemeinschaftsveranstaltungen sowie auf die Umwelt im Erzgebirge fokussierte Außenexkursionen mit fachlichen Ausführungen an.

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4 Orasín (dt. Uhrissen)

Das Haus Nr. 18 in der Gemeinde Orasín (dt. Uhrissen) war ursprünglich Zimmermann’s Gasthof mit Gästezimmern und einem großen Tanzraum im ersten Geschoss. Hier kam 1892 der Maler Lois Zimmermann auf die Welt. Er erlernte die Dekorationsmalerei bei dem Malermeister Nestler in Chomutov (dt. Komotau). 1910 verzierte er die Decke des Tanzraumes im Vaterhaus mit Gemälden, zu denen er als Motive musikalische Stillleben, Komponistenporträte, allegorische Gestalten und Landschaftsbilder wählte. Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges war Lois Zimmermann in einer Glasfabrik unweit von Jihlava (dt. Iglau) tätig. Während des 1. Weltkrieges machte er den Russlandfeldzug mit, wurde zweimal verletzt und musste lange Zeit im Militärspital in Pardubice (dt. Pardubitz) behandelt werden. Nach seiner Heimkehr 1918 widmete er sich der Malerei, vor allem der Landschaft in der Umgebung seines Heimatortes Orasín. Er starb am 11. April 1932 nach längerem Magenleiden als Folge der Kriegsstrapazen. Im April 1934 wurden für den Künstler an seinem Vaterhaus eine durch den Bildhauer Rudolf Stalla hergestellte Gedenktafel angebracht und ein Gedenkraum mit seinen Bildern eröffnet. Die Gedenktafel, eine Bronzeplatte mit dem Bildnis des Malers, wurde in den Nachkriegswirren 1945 abgerissen und zerstört. Im Juni 2009 wurde eine Nachbildung der ursprünglichen Gedenktafel vom Bildhauer und Restaurator Jaroslav Jelínek feierlich enthüllt

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5 Květnov (dt. Quinau)

Einer Sage nach fand im Jahr 1342 ein kleiner Hirtenknabe in einer Felsennische ein Gnadenbild der Mutter Gottes, für die an dieser Stelle erst ein Kapellchen gebaut wurde. Mitte des 16. Jahrhunderts erfolgte vielleicht mit Bezug auf eine ältere sakrale Überlieferung sein Umbau im spätgotischen Stil. Die erste schriftliche Erwähnung der Kapelle stammt aus dem Jahre 1592, wo sie Georg von Lobkowicz (tsch. Jiří Popel z Lobkovic) den Jesuiten zur Obhut übergab. Ende des 16. Jahrhunderts fanden hier schon die ersten Gottesdienste statt und 1669 bekam die Kapelle ein Türmchen mit einer Glocke aus Freiberg. 1674 wurden die Sakristei und Außenkanzel errichtet und eine Orgel angeschafft und 1685 ein großer Turm mit zweiter Glocke angebaut. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts erfuhr das Kirchenschiff eine größere bauliche Veränderung, aber die Hauptumgestaltung des Gotteshauses erfolgte erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts, wo es steinerne Stiegen mit Umfassungsmauer und der Jungfrau Maria Geburt geweihte Kapelle bekam. Das erste Wunder geschah bereits im 16. Jahrhundert bei der Weihe der Kirche und seit dem war sie ein Wallfahrtsort. 1728 erteilte ihr Papst Benedikt XIII. das Recht auf Gewährung von Ablässen. In den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts drohte dem Tempel im Zusammenhang mit den Reformen des Kaisers Josef II. die Schließung und Übersiedlung der wundertätigen Mariastatue in die Kirche im nahen Ort Blatno (dt. Platten). 1806/7 brach in Chomutov (dt. Komotau) aber eine durch bayerische Gefangenen eingeschleppte Typhusepidemie aus, was die Gläubigen wieder stärker zum Beten und Wallfahren brachte. Aus den umliegenden Orten zogen nach Květnov (dt. Quinau) trotz des Verbotes große Prozessionen. Auf Empfehlung der örtlichen Ämter wurde 1807 per Dekret verfügt, dass die Quinauer Wallfahrtskirche geöffnet bleiben darf. Ähnliche Wahlfahrten mit der Bitte um Verschonung von der durch die verwundeten Soldaten aus dem Krieg mit Napoleon nach Chomutov eingeschleppten Seuche fanden auch 1814 statt. 1856 bestätigte Papst Pius IX. mit seinem Breve der Kirche die Gewährung von Ablässen auf ewige Zeiten. Die Wallfahrtstradition ging ununterbrochen bis in die 40er des 20. Jahrhunderts weiter, wo sie dann durch den II. Weltkrieg unterbrochen wurde. Nach 1945 und der Vertreibung der ursprünglichen deutschen Bewohner ging sie ganz unter. Sie wurde erst in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wiederbelebt und 2010 erfuhr auch die Wallfahrtskirche eine grundlegende Sanierung.

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6 Spořice (dt. Sporitz)

Die Kirche St. Bartholomäus in Spořice (dt. Sporitz) ist wahrscheinlich schon vor den Hussitenkriegen entstanden. Die erste urkundliche Erwähnung der Gemeinde stammt aus dem Jahr 1281. Damals gehörte sie der Kommende des Deutschritterordens in Chomutov (dt. Komotau) und die Bartholomäuskirche war Filialkirche der Domkirche St. Marien. Die Umgestaltung des Gotteshauses in seine befestigte Form hängt aber erst mit dem Umbau am Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts zusammen, bei dem es mit einem Wassergraben und einer Mauer umgeben wurde. Zu dieser Zeit wurde in seine Masse noch ein Turm eingebaut. Von der Mitte des 16. Jahrhunderts war sie protestantisch und verfügte auf der mit Wassergraben umringten Insel über eine Pfarre und evangelische Schule. Nach 1620 diente der heilige Bartholomäus wieder katholischen Gläubigen. 1690 wurde der Turm repariert und die Kirche einer teilweisen Barockisierung unterzogen. Weitere Neuherrichtungen folgten im 19. Jahrhundert, besonders in den Jahren 1830, 1836, 1885 und 1898. Der Hauptgrund lag in der immer stärkeren Neigung des Kirchenturmes und damit zusammenhängenden statischen Störungen. Nach dem II. Weltkrieg war die Kirche öde und ging allmählich unter. Ihre Inneneinrichtung wurde vernichtet und erhalten blieb nur das in die Wenzelskirche in Vysočany (dt. Wissotschan) versetzte Renaissancetaufbecken. In den 80er Jahren gab es im Zusammenhang mit dem Bergbau Überlegungen, die Kirche abzureißen. 1989 stürzte der Dachstuhl ab, 1991 wurde aber ein neuer gebaut und die Kirche provisorisch bedacht. 1995 bis 1999 erfolgte eine statische Absicherung des Turms und 2010 ging das Gottesgaus auf die Gemeinde Spořice über. Seit 2013 wird sie grundlegend saniert..

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7 Droužkovice (dt. Trauschkowitz)

Die Kirche St. Nikolaus in Droužkovice (dt. Trauschkowitz) ist wahrscheinlich schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden. Die erste urkundliche Erwähnung finden wir im Konfirmationsbuch des prager Erzbistums aus dem Jahre 1357. Die eigene Kirche steht an der Kreuzung der Wege in Richtung zu Chomutov (dt. Komotau) und Blatno (dt. Platten). In der zweiten Hälfte des 15. oder am Anfang des 16. Jahrhunderts erfuhr sie eine grundlegende Umgestaltung, die aus ihr das Wehrzentrum der Gemeinde Droužkovice machte. Die Kirche bekam eine 120 cm starke Wehrmauer, an die ein massiver vierseitiger Turm mit Schießscharten angebaut wurde. Auch über dem Presbyterium befand sich ein bis heute sichtliches Wehrgeschoss. Die Kirche zu hl. Nikolaus zählt zu den prächtigsten Wehrkirchen in Nordböhmen, wie z. B. die fortifizierten Kirchen in Spořice (dt. Sporitz), Holešice (dt. Holtschitz), Křimov (dt. Krima) oder die unbeendete Kirche in Horní Ves (dt. Oberdorf). Der Wehrturm war immer im Besitz der Gemeinde. Das bezeugt auch der Revers der Jesuiten aus Chomutov (dt. Komotau) von 1712, die zu der Kirche das Patronatrecht hatten. Die Kirche, der Turm sowie das unweit stehende Pfarrhaus wurden im 19. Jahrhundert saniert. In den vergangenen Jahren wurden Schritte zur Rettung des Gotteshauses unternommen, der Glockenturm erfuhr eine Sanierung und die letzte Wiederaufbaumaßnahme fand 2012 statt.

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8 Březno (dt. Priesen)

Die erste schriftliche Erwähnung der Gemeinde Březno (dt. Priesen) stammt aus dem Jahr 1281, wo sie dem Deutschen Orden aus unweitem Chomutov (dt. Komotau) gehörte. Von Anfang des 15. Jahrhunderts bis 1440 gehörte sie mehreren Adelsfamilien - zu den wichtigsten zählten die Lobkowicz von Hassenstein (tsch. Lobkovicové z Hasištejna). 1469 wurde der Ort auf Antrag von Johann Freiherr von Lobkowicz (tsch. Jan z Lobkovic) durch den König Georg von Podiebrad (tsch. Jiří z Poděbrad ) zur Marktgemeinde (oppidum) mit verliehenem Mark-, Brau- und Handwerkerecht erhoben. 1556 erfolgte dann durch Ferdinand I. die Erhebung zur Stadt (civitas). Nach der Schlacht am Weißen Berge kam Březno als Pfand an Jaroslav Borsita von Martinitz (tsch. Jaroslav Bořita z Martinic), neuen Besitzer der Herrschaft Hagensdorf (tsch. Ahníkov). Schon Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts war Březno ein aufgesuchter Marienwallfahrtsort. Die alte, in ihrem Ursprung auf das Jahr 1352 zurückgehende ursprünglich gotische Kirche befand sich aber im baufälligen Zustand und war auch zu klein. Deshalb wurde 1739 der Bau einer neuen Wallfahrtskirche eröffnet.

Kirche St. Peter und Paul

Die neue Wallfahrtskirche St. Peter und Paul wurde 1739 bis 1765 nach Plänen des berühmten Architekten Kilian Ignaz Dientzenhofer durch den Baumeister Johann Christoph Kosch (tsch. Jan Kryštof Kosch) gebaut. Ein großes Hindernis für den großzügig geplanten Tempel stellte der instabile sandige Untergrund dar, deshalb musste der Bau mit drei tiefen Holzpiloten stabilisiert werden. Die Fertigstellung verzögerten um lange 26 Jahre Finanzprobleme und Kriege, die nach der Krönung von Maria Theresia zur böhmischen und ungarischen Königin ausbrachen. Die Wallfahrtskirche hat die Form eines lateinischen Kreuzes mit rundem Presbyterium an der östlichen Seite und einem Vorraum mit Kirchenchor des gleichen Grundrisses an der westlichen Seite. In den Kreuzarmen befinden sich vier achtseitige Kapellen. Die Ausstattung und Verziehung der Innenräume entsprechen zum großen Teil der Bauzeit. Die Wandgemälde stammen aus der Werkstatt von F. Müller, der Altar und andere Holzschnitte sind Werke von K. L. Waitzmann. Nach dem Krieg und der Verschiebung der ursprünglichen deutschen Bewohner ging die Kirche allmählich unter. Grundlegende Neuherrichtungsarbeiten begannen 1999 und dauern bis heute an.

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Drachen von Březno – Großschaufelradbagger KU 800

Der Großschaufelradbagger KU 800 wird Drachen Severus von Březno (dt. Priesen) genannt. Die Schaufelradbagger gehören zu den Maschinen mit kontinuierlichem Betrieb. Ihr Boom begann in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts, wo die Höchsttiefgroßschaufelradbagger im Tagebau eingeführt wurden. Der räumlich ausgeführte Schaufelradausleger in Form einer Gitterkonstruktion hängt auf einer Seite an Hubseilen und liegt auf der anderen Seite in einer Gelenklagerung mit Laufkatze, was das Ausfahren bis zu 12 m ermöglicht. Das Raupenfahrwerk besteht aus drei Raupenpaaren, von denen zwei gegenseitig lenkbar sind und das dritte frei ist. Das Schwenkwerk verfügt über sechzehn Stützrollen und einer kreisförmigen 8,4 m breiten Schienenbahn. Die Gesamtlänge beträgt 67 m und die Höhe 38 m. Der Großschaufelradbagger steht auf der ehemaligen Tagebaumontageebene unweit von der Gemeinde Březno und ist nach fast dreißigjährigem Einsatz im Tagebau Nástup Tušimice als technisches Denkmal für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Besichtigungen sind April bis Oktober jeden Samstag um 10.00, 13.00 und 14.00 Uhr von der Pforte des Bergwerkes Severočeské doly in Březno bei Chomutov möglich. Der Zutritt ist frei.

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9 Burg Hasištejn (dt. Hassenstein)

Der steile Felsvorsprung über dem Bach Prunéřovský potok (dt. Brunnersdorfer Bach), wo sich gegenwärtig die Ruinen der Burg Hasištejn (dt. Hassenstein) erstrecken, war schon in der Bronzezeit besiedelt. Die erste urkundliche Erwähnung der Königsburg finden wir im Kodifikationsentwurf des böhmischen Königs Karl IV. „Maiestas Carolina“ aus dem 14. Jahrhundert. Es ist aber möglich, dass die gotische Burg schon der König Wenzel II., wahrscheinlich aber erst König Johann von Luxemburg (tsch. Jan Lucemburský) am Anfang des 14. Jahrhunderts bauen ließ. Die Burg war von großer strategischer Bedeutung nicht nur für die Handelsstraße nach Sachsen, sondern auch für die Verteidigung der Landesgrenze. Der Bau befindet sich auf einem Plateau über dem Tal des Bachs Prunéřovský potok. An der höchsten Stelle wurden ein Bergfried mit einem Wasserspeicher und etwas tiefer Wohnhäuser und ein Turmpalast errichtet. Seit 1348 war die Burg im Besitz der Herren von Schönburg (tsch. Šumburk). 1417 kam sie aber im Widerspruch mit Maiestas Carolina in die Hände der Herren Zu Plauen. 1418 wurde die Burg nach dreimonatiger Belagerung durch Nikolaus I. (den Armen) von Lobkowicz erobert, der dann vom König Wenzel IV. für die Hilfe und andere Dienste für die Königskrone mit ihr belehnt wurde. Die Familie Lobkowicz baute die Burg umfangreich um - das letzte Mal am Anfang des 16. Jahrhunderts. Damals war sie auch Sitz des berühmten mitteleuropäischen Humanisten, Dichters und Gelehrten Bohuslav Lobkowicz von Hassenstein (tsch. Bohuslav Hasištejnský z Lobkovic). In der Burg befanden sich auch seine berühmte humanistische Schule und umfangreiche "Hassenstein´sche Bibliothek". Nach 1514 wurde sie nicht mehr als Herrschaftssitz genutzt und ab 1560 ging sie allmählich unter. In ihrer unmittelbaren Nähe befinden sich auch die spätmittelalterlichen und früh neuzeitlichen mit den Burgbesitzern Lobkowicz verbundenen Erzgruben und Überreste des einzigartigen Kalzitmarmorabbaus. Unweit von der Burg gibt es auch verschiedene Straßenrelikte, hauptsächlich von mittelalterlichen und früh neuzeitlichen Wegen, die einen Abzweig der aus böhmischen Ländern nach Sachsen führenden Salzstraße bildeten

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10 Výsluní (dt. Sonnenberg)

Die Stadt Výsluní (dt. Sonnenberg, tsch. ursprünglich Suniperk) geht in ihrem Ursprung auf den Beginn des Erzbergbaus im Erzgebirge in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück. Ihre erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1547, wo im Urbar der Stadt Kadaň (dt. Kaaden) der Schulzen und der Wardein in Sonnenberg ernannt werden. Die Entstehung der Stadt hängt mit der Tätigkeit der Adelsfamilie Lobkowicz in der Herrschaft Přísečnice (dt. Preßnitz) zusammen. 1562 verlieh der Landherr Bohuslav Lobkowicz von Hassenstein (tsch. Bohuslav z Lobkovic) der Bergbaugemeinde Výsluní Bergrechte sowie den Freibrief über Stadtsiegel, Gericht und Rechte der Jahrmärkte. Auch mit ihrer Schachbrettgestaltung stellt sie ein wunderschönes Beispiel der Stadtplanung bei der Gründung von neuen Bergbaustädten im Erzgebirge dar. 1589 ging Výsluní von der Linie Lobkowicz-Hassenstein (tsch. Hasištejnští z Lobkovic) an Georg Popel von Lobkowicz (tsch. Jiří Popel z Lobkowicz) von dem anderem Zweig des nordböhmischen Geschlechts Popel-Lobkowicz über. Der Protestant Bohuslav Joachim von Lobkowicz (tsch. Bohuslav Jáchym z Lobkovic) tauschte mit dem Katholiken Georg Popel von Lobkowicz (tsch. Jiří Popel z Lobkovic) Výsluní samt der Herrschaft Chomutov (dt. Komotau) gegen die Herrschaft Mladá Boleslav (dt. Jungbunzlau). 1594 wurde Georg Popel von Lobkowicz aber wegen Intrigen gegen Kaiser Rudolf II. verhaftet und Výsluní sowie sein gesamter Besitz konfisziert. Am 2. Januar 1597 verlieh Kaiser Rudolf II. den Gemeinden Výsluní, Hora sv. Kateřiny (dt. Sankt Katharinaberg) und Hora sv. Šebestiána (dt. Sankt Sebastiansberg) einen Freibrief und erhob sie zur freien königlichen Bergstadt. Alle ansässigen Bergleute wurden aus der Leibeigenschaft, Fronarbeit sowie dem Königsdienst entlassen. Diese Privilegien bestätigte 1615 auch der Kaiser und König Matthias. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde die Stadt durch den Dreißigjährigen Krieg schwer betroffen und litt auch durch die Stilllegung der Silberzechen. 1640 brannten Výsluní vollständig die Schweden nieder, und erst in den 50er Jahren ist es gelungen, die Kirche, Schule und das Rathaus erneut zu bauen. Anfang des 18. Jahrhunderts nahm der Bergbau immer mehr ab und die Bergleute mussten neue Wege finden, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Zur neuen Erwerbsgrundlage wurden so die zu der Zeit beliebte Feierabendbeschäftigung wie z. B. die Spitzenklöppelei, Posamentrie aber auch der Hausiererhandel mit Kobaltblau und vor allem der Anbau von Heil- und Gewürzpflanzen. Das Hauptprodukt der örtlichen Kräutler war hauptsächlich der Liebstöckel, dem im 18. Jahrhundert eine große heilende Kraft zugesprochen wurde. Weiter wurden Alant, Eberwurz und Engelwurz angebaut und vertrieben. Dieser Handel brachte Výsluní einen gewissen Wohlstand ein. Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgte ein erneuter Versuch zur Wiederbelebung des Bergbaus - anstatt von Silber waren es jetzt aber Eisenerzgruben, vor allem in den Tälern der Bäche Sobětický (Fleckmühlbach) und Prunéřovský (Brunnersdorfer Bach). Die Erzgewinnung in Výsluní förderten auch die Herrscher, besonders die Königin Maria Theresia. Anfang des 19. Jahrhunderts ließ der Bergbau wieder allmählich nach und mit der Zeit blieb nur der Stollen der Grube Heilige Dreifaltigkeit (tsch. Trojice) in Betrieb. Im 19. Jahrhundert wurde zum neuen Lebensunterhalt das Wandermusikantentum. In Výsluní sowie in anderen erzgebirgischen Städten und Gemeinden entstanden kleinere und größere Kapellen, die in ganz Europa, den Orient und Fernosten zogen. 1838–1842 wurde über Výsluní eine neue Chomutov (dt. Komotau) mit Přísečnice (dt. Pressnitz) verbindende Straße gebaut. 1843 brannte durch einen Blitzschlag in den Turm die ursprüngliche Wenzelskirche völlig aus. Der Wiederaufbau des repräsentativen Gotteshauses im pseudoromanischen Stil erfolgte in den Jahren 1851–1857 nach Plänen des Architekten Karel Řivnáč aus Prag. Die Kirche bildet bis heute eine herausragende Dominante der Gemeinde. 1872 erhielt Výsluní einen Bahnanschluss an der neu eröffneten Chomutov mit sächsischem Annaberg verbindenden Strecke der Buschtěhrader Eisenbahn (Buštěhradská dráha). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in der Stadt schon eine Brauerei, eine Samt- und Zichorienfabrik und häuslich wurden Spitzen geklöppelt und Posamente gewirkt. Výsluní war zu dieser Zeit weltweit bekannt mit seiner Herstellung von Trauerprodukten, besonders Leichentüchern und Kunstblumen. Anfang des 20. Jahrhunderts kam hier auch das sich neu entwickelnde Bergwandern zur Geltung. Nach dem I. Weltkrieg ging die Kunstblumen- und Trauerartikelherstellung zwar weiter, aber viele Bewohner pendelten zur Arbeit in die unweite Stadt Chomutov, wo sie meistens in den Mannesmann-Werken tätig waren. Im II. Weltkrieg entstand in Výsluní ein Lager für französische Kriegsgefangene und später auch für ukrainische Soldaten der Sowjetarmee. Die Gefangenen arbeiteten hauptsächlich in der Forst- und Landwirtschaft. Nach dem Krieg kam es zur Vertreibung der meisten deutschen Bewohner und in die Stadt zogen tschechische und slowakische Neusiedler ein. Eine wichtige Gruppe bildeten die neu umgesiedelten rumänischen Slowaken. In den 50ern wurde dann die örtliche Wirtschaft sozialisiert und die letzte Strickwarenfabrik geschlossen. In den 60er Jahren folgte allmählicher Schwund der Bewohner, immer mehr Häuser standen leer oder wurden zu Erholungszwecken umgestaltet. Die Kirche St. Wenzel ging ohne Pflege allmählich unter und erlag 1981 einem verheerenden Brand. Erst 1997 entstand eine Stiftung zur Erhaltung des Gotteshauses. 1998 wurde die Kirche zum Kulturdenkmal der Tschechischen Republik erklärt und 1999 begannen erste Sanierungsarbeiten, die bis heute laufen.

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